Nicht nur Fitnessstudios boomen, es hat sich längst herumgesprochen, dass es einer ausgewogenen Ernährung bedarf, um gut „in shape“ zu sein. Dabei erfreuen sich auch sogenannte Nahrungsergänzungsmittel einer immer größeren Beliebtheit. Ist es wirklich nötig, sich mit Vitamintabletten „vollzupumpen“ und welche Rolle spielen Gewürzkonzentrate in puncto Gesundheit? Denn nicht nur reine Gewürze, sondern auch Chili Kapseln, Ingwerkapseln, Kurkumakapseln oder Zimtkapseln, um nur einige zu nennen, lachen dem Verbraucher aus den Regalen entgegen. Der Blogartikel soll ein wenig Lichts ins Dunkel bringen.

Kurkumakapseln oder doch gleich die Knolle?

Kurkuma – in Indien wird das „Gewürz des Lebens“ schon seit Jahrtausenden nach den Lehren des Ayurveda (dt.: Wissen vom Leben) angewandt. Liebhaber der indischen Küche wissen gleich, wovon die Rede ist, denn das gelbe Pulver findet sich in jedem guten Curry. Die Wurzelknolle gehört zur Familie der Ingwergewächse. Die Rhizome (Sprossknoten) weisen jedoch durch den Inhaltsstoff Curcumin eine intensive Gelbfärbung auf. Das geschälte Rhizom wird sowohl frisch wie auch getrocknet als Gewürz und Farbstoff verwendet. Kurkuma (auch Gelbwurz oder Tumaric) fördert die Gallenproduktion und unterstützt die Fettverdauung. Die „olle“ Knolle ist alles andere als ein Ladenhüter und wirkt krampflösend, fiebersenkend, entzündungshemmend, schmerzstillend und antioxidativ. Ferner unterbindet der Pflanzenstoff die Ablagerung bestimmter Eiweißkomplexe im Gehirn, die „möglicherweise“ an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind. Wer Kurkumakapseln in höherer Konzentration einnimmt, sollte sich vom Arzt oder in der Apotheke beraten lassen (Thema: Gallensteine).
Ein Rezept gefällig, um die Liebste beim nächsten Valentinstag zu überraschen? Voilà – Kurkumaherzen mit Spinat:
Für die Nudeln, Mehl (200 g), Eier (2 Stck.), Öl (2 EL), 1 Prise Salz (Achtung, Verliebte neigen zum Versalzen), Kurkuma (1 TL) verkneten. Danach Teig zugedeckt ca. 30 Minuten ruhen lassen.
Für die Soße, Spinat (250 g) waschen, trocken schleudern und klein schneiden. 1 Zwiebel und 2 Knoblauchzehen (da muss das Pärchen gemeinsam durch) schälen und klein hacken; beides in einer Pfanne anschwitzen, den Spinat dazugeben und verrühren. Gemüsebrühe (40 ml), Sahne (20 ml) und 100 g Gorgonzola einrühren; danach mit Pfeffer und Muskat abschmecken.
Den Teig sehr dünn ausrollen, die herausgestochenen Liebesbeweise in kochendes Salzwasser geben. Wenn die Herzen „auftauchen“, sind sie fertig.

Red Hot Chili Kapseln oder doch lieber Gewürz pur?

Nicht nur bei den Konzerten einer kalifornischen Crossover-Band, deren Name an die berüchtigten Nachtschattengewächse erinnert, geht es heiß her. Wer schon einmal eine deftige Chili-Schote mit hoher Capsaicin-Dosis verköstigt hat, und sich des besonderen Inhaltsstoffes nicht bewusst war, dürfte eine einschneidende Erfahrung gemacht haben. Die Formel ist einfach – je mehr Capsaicin, umso schärfer. Im Gegensatz zu Stoffen, die auf der Zunge die Geschmacksempfindungen süß, salzig, sauer, bitter und umami (vollmundig, herzhaft) auslösen, wird durch Capsaicin ein Hitze- oder sogar Schmerzreiz verursacht. Aber es muss ja nicht gleich die Feuerwehr anrücken, wenn ein herzhaftes Chili con Carne angerührt wird. Schließlich soll es sich ja um „gesunde Schärfe“ handeln. Auch dem Capsaicin werden wegen seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung zahlreiche positive Gesundheitseffekte zugeschrieben. So soll es das Cholesterin (LDL) senken, das sich in den Blutgefäßen ablagert. Der Scharfmacher unterdrückt den Hunger und kurbelt den Energieverbrauch an. Chili Kapseln lassen diesen Effekt im Übrigen vermissen, da das Brennen im Mund verantwortlich für den Temperaturanstieg im Körper und dem daraus resultierenden Energieverbrauch ist.

Mit Ingwerkapseln auf hoher See 

Ähnlich wie die Kurkuma wird auch das Ingwer-Rhizom als Küchengewürz oder Arzneidroge eingesetzt. Ingwer wirkt antibakteriell und virustatisch (Vermehrung von Viren hemmend). Er steigert die Gallensaftproduktion und fördert die Durchblutung. So sind die Japaner auch von der Wirkung als Aphrodisiakum überzeugt. Vielleicht sollte demnach den Kurkuma-Herzen (siehe oben) noch eine Prise geriebener Ingwer hinzugegeben werden. Ingwer wird in Küchen rund um den Globus geschätzt. Als kleines Stück auf der Küchenreibe gerieben rundet es Geflügelspeisen ab, passt hervorragend zu Lamm, Fisch und Meeresfrüchten. Ingwer findet auch als Beimischung für Chutneys, Marmeladen, Soßen und Curry Verwendung. Lebkuchen und Printen erhalten durch ihn das Geschmacks-i-Tüpfelchen. Naschkatzen dürften sich zudem an mit Schokolade überzogenem Ingwer oder eingelegten „Ingwer-Nüssen“ erfreuen. Auch die alkoholfreie Limonade mit Ingwergeschmack – Ginger Ale – ist bei vielen beliebt. Apropos Getränk: Bei einer Erkältung wird der schweißtreibende und hustenhemmende Tee sehr gerne eingesetzt.
Die traditionelle asiatische Medizin setzt schon sehr lange auf die antioxidativen, entzündungshemmenden und die Darmfunktion anregenden Effekte des Ingwers. Rheuma, Gelenk- und Muskelschmerzen werden damit behandelt. Ingwer ist auch für seine antiemetische (Übelkeit unterdrückend) Wirkung bekannt und wird deshalb auch bei „Seekrankheit“ und Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt. Konzentrierte Ingwerkapseln sollten Schwangere aber vermeiden und Ingwer nur sparsam einsetzen. Der durchblutungsfördernde Stoff könnte vorzeitige Wehen auslösen. Bei Risikoschwangerschaften besser ganz auf Ingwer verzichten. Hier unbedingt mit Arzt und Hebamme abklären.

Zimtkapseln – Baumrinde in Tablettenform

Zimt ist eines der ältesten Gewürze überhaupt und wurde in China bereits 3.000 v. Chr. verwendet. Beim Gedanken an Zimt kommt einem natürlich sofort leckeres Gebäck in den Sinn. Aber schon alleine wegen seiner gesundheitlichen Wirkung sollten sich Naschkatzen nicht nur zur Weihnachtszeit an dem edlen Gewürz erfreuen. Hinter dem Wortungetüm Methylhydroxy-Chalcone-Polymer steckt ein Polyphenol, das direkt an den Insulinrezeptoren wirkt und den Blutzucker senkt. Zimt verbessert den Blutfettspiegel, regt den Kreislauf an und schützt die Blutgefäße. Durch die entzündungs- und schmerzsenkenden Eigenschaften wird Zimt auch bei der Rheumabehandlung eingesetzt. Das Gewürz wird in der Tat aus der getrockneten Rinde des Zimtbaumes gewonnen und in Pulverform oder als Zimtstange angeboten. Im Zimt ist der aromatische sekundäre Pflanzenstoff Cumarin enthalten. Bei einer Überdosierung durch Zimtkapseln kann es möglicherweise zu Kopfschmerzen, bis hin zu Leberschäden kommen.

Wer sich etwas näher mit dem Thema Ernährung auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass ausgewogenen Mahlzeiten eigentlich alles enthalten, was der Körper benötigt. Obst und Gemüse, aber auch Gewürze sollten in keinem Haushalt fehlen. Dabei können Nahrungsergänzungsmittel durchaus sinnvoll sein, um dem Körper in schwierigen Situationen zu unterstützen. Aber von einer planlosen Dauereinnahme sollte abgeraten werden. Die Zeiten, in denen z. B. Seeleute wegen schlechter Ernährung an Skorbut (Vitamin C-Mangel) erkrankten, sind zum Glück lange vorbei. Heute findet sich das Vitamin quasi in jeder zweiten Limonade. Ohnehin wird zu viel konsumiertes Vitamin C schnell wieder ausgeschieden. Reine Gewürze wie auch Vitamine in Obst oder Gemüse weisen ein ganzes Kaleidoskop an Inhaltsstoffen auf, die zusammen auf den Körper einwirken. Selbst die Wissenschaftler rätseln noch, wie die Gesamtheit der Botenstoffe mit dem Organismus interagiert. Das Ganze scheint demnach mehr zu sein, als die Summe der einzelnen (losgelösten) Teile. Reine Gewürze und natürliche Lebensmittel sind durch pharmazeutische hergestellte Produkte nicht zu ersetzen.
Haben Sie Erfahrung mit hoch dosierten Gewürzen/Vitaminen gemacht? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.